Bakterien-Futter unter der Lupe, Expertenstreit über die Wirkungen von Prä- und Probiotika

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Bakterien-Futter unter der Lupe

Expertenstreit über die Wirkungen von Prä- und Probiotika

Probiotische Joghurts sind ein Modetrend. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung glauben etwa 60% der Deutschen, diese nicht ganz billigen Milchprodukte seien nützlich für ihre Gesundheit.
Probiotische Milchsäurebakterien, die zur Herstellung von Joghurt verwendet werden, überstehen Angriffe von Magensäure und Gallensekret im menschlichen Verdauungstrakt und sollen im Dickdarm schädliche Bakterien von der Magenschleimhaut verdrängen.

Der Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AID) in Bonn bewertet die probiotischen Lebensmittel trotzdem eher kritisch.
Bislang deutenden nur Tierversuche oder Studien an Zellenkulturen auf die schützende Wirkung der Milchsäurebakterien hin. Eindeutige Studien beim Menschen lägen nicht vor.
Dr. Michael de Vrese von der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel zweifelt an den von der Nahrungsmittelindustrie versprochenen besser Wirkung der probiotischen Joghurts:
"Die Bakterienstämme in normalen Naturjoghurt haben oft genau dieselbe Wirkung, teilweise sogar bessere".

Neben den Probiotika gibt es noch die sogenannten Präbiotika.
Das sind unverdauliche Nahrungsbestandteile die zur Gruppe der Ballaststoffe gezählt werden.
Die passieren Mund, Magen und Dünndarm unverdaut und dienen den Bakterien des Dickdarms als Nahrung.
Dort sollen die Präbiotika gezielt das Wachstum und die Aktivität von gesundheitsfördernden Bakterien anregen, die allein diese Substanzen in ihrem Stoffwechsel verwerten können.
Zu den besonderen Ballaststoffen gehören unter anderem Substanzen wie Inulin und Oligofruktose sowie die Resistente Stärke.
Ihr Name leitet sich vom Umstand ab, dass sie gegen Verdauungsenzyme widerstandsfähig ist.
Diese Stoffe werden in einer Reihe von Lebensmitteln wie Brot, Getreide- oder Milchprodukten beigemischt.
Das soll die Darmtätigkeit und das Immunsystem anregen und den Fettstoffwechsel verbessern.
Ernährungswissenschaftler kritisieren auch hier, dass bisher die Beweise fehlen.Außerdem gebe es viele natürliche Quellen für präbiotische Ballaststoffe. Besonders reich an Inulin, nicht zu verwechseln mit dem Hormon Insulin, ist die Topinambur, eine kartoffelartige Knolle, die in speziellen Gemüseläden zu kaufen gibt.
Weitere Quellen für Inulin und Oligofructose sind: Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Bananen, Spargel und Roggenprodukte. Bratkartoffeln sind ein guter Lieferant für Resistente Stärke.


U. Fricke, HNA-Sonntagszeitung vom 09.03.2003
  
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