Depressionen in der Praxis behandeln Johanniskraut oft erste Wahl

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Medical Tribune Kongressbericht

MÜNCHEN - Johanniskraut hat sich in der ambulanten Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen bewährt und gehört bei dieser Indikation zu den Mitteln der ersten Wahl. Allerdings sollte es ausreichend hoch dosiert werden.

Das depressive Syndrom ist gekennzeichnet durch die drei Hauptsymptome:
Freudlosigkeit, Antriebsstörung und sozialen Rückzug. Auch Konzentrations-, Schlafstörungen, Appetitminderung, Schuldgefühle oder Suizidgedanken sind zusätzliche Zeichen.
Halten die Symptome mehr als zwei Wochen an, sprechen wir von einem depressiven Syndrom, erläuterte Dr. Frank König, Psychiatrie der Universität Ulm, auf dem Fortbildungsforum "Medizin aktuell". Mit den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und den hoch selektiven dualen Antidepressiva (Sie hemmen Serotonin und Noradrenalin in der Wiederaufnahme) stehen heute nebenwirkungsarme Medikamente zur Verfügung, die eine effiziente und schonende Therapie ermöglichen. Unter den SSRI bezeichnete Dr. König die Substanzen Citalopram, Sertralin und Paroxetin als gut verträglich und nicht toxisch. Sie beeinträchtigen auch weder die kognitive noch die psychomotorische Leistungsfähigkeit, allerdings muss man mit Übelkeit und sexuellen Funktionsstörungen rechnen.

Ausreichend hoch dosieren:
In der Allgemeinpraxis stehen die Phytopharmaka, insbesondere Johanniskraut an erster Stelle. Der Gesamtextrakt besteht aus einem Komplex verschiedener Verbindungen wie Hypericine, Procyanidine, Hyperforine und Flavonoide. Die Wirksamkeit wird auf die Synergieeffekte der Inhaltsstoffe zurückgeführt.
Die Effektivität von Johanniskraut hat sich in mindestens zwölf plazebokontrollierten Studien nachweisen lassen. Indiziert ist nach Meinung des Psychiaters eine Dosis von 900 mg/d eines monographiekonformen Johanniskraut-Päraparates bei leichten bis mittelschweren Depressionen. In dieser Dosis, mit der die Therapie auch begonnen werden sollte, erwies sich die Substanz den Antidepressiva Maprotilin und Imipramin als äquipotent. "Können Sie sich wieder freuen", ist die Standardfrage nach der Affektstörung. Bejaht der Patient, wird mit der gleichen Dosis weiterbehandelt. Sie sollte als Akuttherapie etwa sechs bis zwölf Wochen fortgesetzt werden, bei der mittelschweren Depression sogar über sechs Monate, um einen Rückfall zu vermeiden.
Nonresponder – der Patient kann sich nicht freuen oder er entwickelt trotz Therapie innerhalb von drei Wochen suizidale Gedanken – benötigen ein Umstellung, zu der Dr. König SSRI empfahl. Johanniskraut wird bis auf eine gesteigerte Photosensitivität allgemein gut vertragen. Von einer Kombination mit synthetischen Antidepressiva riet der Experte ab. Weitere Indikationen für Johanniskraut sind nach Dr. König Trauerreaktionen, die prämenstruelle dysphorische Störung (für vier Tage jeweils vor der Menstruation) und das Burn-out-Syndrom. Johanniskraut ist kein Sedativum und bringt bei reinen Schlafstörungen nichts.

JK / MTD 17 / 2000
  
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