Johanniskraut - Wirksame Alternative zu klassischen Antidepressiva?

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Johanniskraut - Wirksame Alternative zu klassischen Antidepressiva?

In ca. 25 kontrollierten, klinischen Studien wurde die Wirksamkeit von Johanniskraut-Präparaten (alkoholische Extrakte der alten Heilpflanze Hypericum perforatum) zur Linderung leichter bis mittelschwerer Depressionen belegt.
Die Messungen gegen Plazebo ergaben bei einer Mindestdosis von 300 mg Extrakt/d (empfohlen werden bis 900 mg/d, standardisiert auf 0,3% der Leitsubstanz Gesamthypericin) einen sign. Wirkungseintritt nach 2 Wochen, der sich bis zur vierten Woche steigerte.

Bei mit synthetischen Antidepressiva vergleichbaren Effekten ergab sich ein wesentlich günstigeres Nebenwirkungsprofil ohne Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Fahrtüchtigkeit. 2,5% der Patienten (n= 3250) zeigten vorwiegend leichte, unspezifische oder allergische Reaktionen.
Eine als Hypericismus (von den Hypericin-Naphtodianthronen) bezeichnete Photosensibilisierung wurde an Weidetieren beobachtet, ist bei sehr hoher Dosierung aber auch für (hellhäutige) Menschen möglich.
Sie führt andererseits zu einer besseren Lichtausnutzung, was den Serotonin-Melatonin-Stoffwechsel beeinflußt.
Das chemische Wirkprinzip ist noch nicht endgültig geklärt. Verantwortlich könnte die sign. Hemmung der Monoamino-Oxidase A durch den Gesamtextrakt (nach neuerer Erkenntnis v.a. durch die Flavonoide Quercitin, Luteolin und Kämpferol) sein.

Literatur:
Schmidt U., Maisenbacher J., Harrer G., Kuhn U.:
Antidepressive Therapie mit Johanniskraut. Therapiewoche (2), 106-112, 1995
Anon.:
Alte Heilpflanze mit neuem Profil. Therapiewoche 44(35), 2062-2064, 1994
Sattler S., Schütt H.:
Johanniskraut. Ein Rezept der Natur gegen Depressionen. therapeutikon 8(5), 218-223, 1994

Mai 1995
Informations- und Dokumentationsstelle am Institut für Ernährungswissenschaft der
Justus-Liebig-Universität Gießen
  
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