Borreliose und MS ein Zusammenhang?

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Borreliose und MS ein Zusammenhang?

Beitrag von: Dietmar Seifert am Februar 14, 2003 um 09:56:21:

MS-Faröer Beispiel:
hier ein Beispiel wie in MS-Kreisen anhand der Faröer Inseln, das für Anhängern als der klassische Beispiel für eine evtl. infektiöse Ursache der MS gilt, diese Möglichkeit von Gegnern nahezu ausgeschlossen wird.

Multiple Sklerose, Wahrscheinliche Ursache und aussichtsreichste Behandlung von Ashton F. Embry

http://www.serafin.ch/embryd.htm

Auszug:
Eine der interessantesten und häufigst zitierten Studien zur Häufigkeit der MS ist die über die sprunghafte Verbreitung der Krankheit auf den Faröer Inseln (Nordatlantik, westlich von Norwegen), die der Besetzung durch 1.500 - 2.000 Mann britischer Truppen zwischen 1941 und 1944 folgte (Kurtzke, 1977, 1980, 1995). Kurtzke hat diesen Anstieg als eine Epidemie
charakterisiert, obwohl andere Autoren diese Ansicht angefochten haben (Benedikz u. a., 1994, Poser u. a., 1988).
Ungeachtet dessen kann es keinen Zweifel daran geben, daß die MS-Verbreitung auf den Faröern in der Folge der britischen Besatzung erheblich angestiegen ist. Weitergehend wird die Beziehung zwischen MS bei Faröern und der Anwesenheit britischer Soldaten stark durch die Tatsache gestützt, daß die MS-Fälle alle bei Inselbewohnern auftraten, die in der Nähe der britischen Stützpunkte lebten (Kurtzke, 1980, Tab. 15). Dies ist eine äußerst wichtige Eingrenzung, weil sie aufzeigt, daß der äußere Faktor nicht regional gebunden ist sondern von einer Gegend in die andere transportiert werden kann.
Jede Deutung der Ursache von MS muß den plötzlichen Anstieg der Verbreitung auf den Faröern und die Mobilität des äußeren Faktors befriedigend erklären.

Vor dem Verlassen dieses Themas ist es wichtig anzumerken das der Hauptnachweis, der gewöhnlich von Anhängern einer spezifischen viralen Ursache für die MS angeführt wird im gewaltigen Anstieg der Häufigkeit von MS auf den Faröer Inseln
ist, der auf die britische Militärbesetzung folgte. Die Standardinterpretation dieser Daten folgt dabei Kurtzke (1977) und beinhaltet, daß einige unter den britische Truppen mit dem MS-Virus infiziert waren und daß sie infolgedessen die Inselbewohner ansteckten. Auf den erste Blick scheint solch eine Interpretation plausibel zu sein, doch eine tiefer gehende Analyse der Daten, verbunden mit weiteren Eingrenzungen, macht die Viralhypothese hinsichtlich der gestiegenen
Verbreitung auf den Faröern sehr unwahrscheinlich.

Zunächst: es gab weniger als 2.000 britische Soldaten auf den Faröern und, die Verbreitung von 90 pro 100.000 Ew. für MS in Großbritannien zugrunde gelegt, so gab es statistisch höchstens 2 Soldaten mit MS. Weiterhin darf angenommen werden, daß jeder Soldat, der eine neurologische Krankheit zeigte wahrscheinlich nach Hause geschickt worden wäre, und somit ist es äußerst unwahrscheinlich, daß es genügend Soldaten gegeben hat um die Inselbewohner zu infizieren. Kurtzke (1995) ist diesem Argument entgegengetreten, indem er behauptete, daß viele Menschen Träger des MS-Virus sein könnten ohne die Krankheit selbst zu haben.
Es gibt gewiß keinerlei Nachweis für solch ein Phänomen und Kurtzkes Spekulation ist damit
untragbar.

Weiterhin, wie schon früher erwähnt, gibt es keine gesteigerte Häufigkeit der MS bei Kindern mit Stiefgeschwistern mit MS oder bei Menschen, deren Ehepartner MS hat. Diese Erkenntnisse zeigen klar, eine spezifisch virale Ursache für MS ist höchst unwahrscheinlich und jede Vermutung, ein oder zwei britische Soldaten hätten ein MS-Virus auf die Faröer Inselbewohner übertragen, ist völlig unerträglich.

Mit der Ausscheidung des "Faröer Nachweises" für eine virale Ursache erscheint die Deutung, ein spezifisches Virus sei der hauptsächliche äußere Faktor, der MS auslöst, nicht länger haltbar. Diesen Schluß zog auch Poser (1993), der feststellte "das stetige Scheitern beim Nachweisen der Rolle eines spezifischen Organismus in der Pathogenese der MS hat ernste Zweifel an seiner Existenz aufgeworfen ".
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Durch die Annahme, dass ein evtl. MS-Erreger (Virus) von Mensch zu Mensch übertragen wird erscheint diese Möglichkeit sehr unlogisch. Betrachtet man dieses jedoch unter dem Blickwinkel z.B. der Borrelien die normal nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, wäre dieses völlig logisch, wenn man annimmt die britischer Truppen haben den Ereger nicht selbst übertragen sondern mit ihrer Ausrüstung evtl. infizierte Zecken oder Kleinsäuger (Mäuse ect.) eingeschleppt.

Eine sehr interessante Studie die sich mit der geographischen und saisonalen Zusammenhängen zwischen Borrelien und MS (incl. Schizophrenie) beschäftigt lässt eine solche durchaus logisch erscheinen.
Geographical and seasonal correlation of multible sclerosis to sporadic schizophrenia

http://www.ij-healthgeographics.com/content/pdf/1476-072x-1-5.pdf

Eine Studie von Brorson bei der 10 MS-Patienten und 5 Kontrollpersonen auf zystische Strukturen, wie bei Spirochäten, untersucht wurden ergab ein interessantes Ergebnis. Bei allen 10 MS-Patienten konnten diese nachgewiesen werden sowie bei einer der 5 Kontrollpersonen, diese Person hatte an einem Erythema-Migrans gelitten.

http://www.lymenet.de/literatur/brorson2001.htm

Ein weiterer Hinweis ist z.B. eine polnische Studie an 769 erwachsenen neurologischen Patienten im Krankenhaus, bei der bei MS-Patienten mit 38,5% doppelt so häufig positive Borrelienantikörper als bei den restlichen neurologischen Patienten 19.4% festgestellt wurden.

http://galen.imw.lublin.pl/users/gmf/aaem0024.htm

Auch gibt es einige Hinweise, dass bei chronischen Verlaufsformen der Borreliose ein Autoimmungeschehen durch Überspringen der Immunreaktion gegen Borrelioenproteine wie OspA oder Flaggelin auf strukturell ähnliche Humanproteine (LFA-1, Myelin) auftreten könnten.

Dr.med. John D. Bleiweiss schreibt z.B folgendes:

13.1. Gemeinsamkeit mit Multipler Sklerose (MS)

Viele Patienten bekommen gesagt, sie hätten Multiple Sklerose

· wegen der Befunde in den Hirn-MRI's (Magnetic Resonance Imaging, Kernresonanz-Abbildung, d. Übers.) oder

· weil der zerebrospinale Liquor

· oligoklonale Banden (OCB) oder

· Myelin basiertes Protein (MBP) zeigt.

Dem steht entgegen:
1. Die medizinische Literatur stellt mit ziemlichem Nachdruck fest, daß die MRI nicht zuverlässig unterscheidet zwischen MS und LB, weil zuviel Überlapp besteht zwischen dem vermuteten unterschiedlichen Aussehen und Ort von Plaques bei MS und LB. Bei beiden Störungen wurden Plaques im Gehirn und Rückenmark entdeckt.

2. OCB's und MBP sind nicht-spezifische Marker für Demyelinisierung (Verlust der die Nerven umhüllenden Schicht).

3. In der oben erwähnten Studie von Miklossy nahmen senile Plaques lebhaft die Einfärbung für Bb-Spirochäten an.

4. Vincent Marshall stellte das Ergebnis seiner Literaturdurchsicht in Medical Hypothesis (Vol. 25: 89-92, 1988) vor und tritt für die Idee ein, daß LD MS erzeugt! Seine Übersicht offenbarte, daß vor 1951 mehrfach Studien Spirochäten im Liquor von MS-Patienten vorführen konnten (durch Impfung von Tieren und auf Silber-Färbung von Gewebe des Zentralnervensystems).

5. Dr. Coyle hat die Anwesenheit von Antikörpern gegen Bb bei MS-Patienten dokumentiert (Neurology Vol. 39:760-763, 1989).

6. Die MS zugeordnete Enzephalopathie erinnert sehr an LB. MS und LB gehen mit Sinusitis einher (Lancet, 1986).
Dr. Liegner hat einen Fall von LB berichtet, der alle Kriterien von MS erfüllte.

7. Die Epidemiologie von MS und ihre geographische Verteilung verläuft parallel der von LB.

8. Die Symptome von beiden können verschlimmert werden, wenn der Patient ein heißes Bad nimmt. Als anekdotische Anmerkung: Patienten mit LB, bei denen vorher MS identifiziert worden war, antworteten auf Antibiose.

http://www.lymenet.de/lymchckd.htm

Vor einigen Jahren wurde ein Borreliose als mögliche Ursache der MS schon in Betracht gezogen, da jedoch Kurzzeit-Antibiosen keinen nennenswerten Erfolg brachten wurde inzwischen diese Möglichkeit weitgehend verworfen.

Einen Beweis für Borrelien als mögliche Ursache zumindesten für einen Teil der MS-Patienten gibt
es sicher noch nicht, aber anhand verschiedener Hinweise wären weitere diesbezügliche Forschungen sicher interessant.

Dietmar Seifert

Immer, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen. (Mark Twain)

  
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