Auszug aus der Rede von B. Ringeler-Leipholz vom 18.06.03

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Sehr geehrte Damen und Herren .......
Borreliose ist immer noch ein langes Kapitel mit sehr ungewissen Ausgang für viele Betroffene.
Arzthopping um endlich zu wissen, an welcher Krankheit man denn nun leidet,
ist nach wie vor keine Seltenheit.

Und viele von uns Betroffenen landen früher oder später in der Psychiatrie,
werden mit Psychopharmaka ruhig gestellt, anstatt mit Antibiotika zu behandeln.

Somit ist man gebranntmarkt und es ist schwer aus diesem Dunstkreis wieder heraus zu kommen.
Zu schnell werden hier in Deutschland Menschen mit einer unklaren Erkrankung in die Schublade der Psysche, der MS und der Fibromyralgie gesteckt, immer dann wenn man nicht mehr weiter weiß.
Dabei wird meist versäumt nach Infekten, wie z.B. einer Borreliose zu suchen.

Hier ein Artikel aus der Zeitschrift "Praxis Depesche" von Mai 2003.

"DAZUGELERNT"

Kollektive Inkometenz
"Bei dem Patienten handelte es sich um einen 47-jährigen Oberarzt.
Er klagte über unbestimmte Missempfindungen in der Brust,
verbunden mit Husten und palpierte Extrasystolen.
Im Flugzeug kollabierte er nach leichten Schmerzen in der rechten Schulter.
Kurz danach waren alle Beschwerden verschwunden.
Standart- und Holter-EKG zeigten nur einen AV-Block 1. Grades.
Beim Herzkatheter war auch nichts auffällig.
Unter elektrophysiologischer Testung trat bei einer Frequenz von 110/min,
ein Wenckebachblock auf.
Wir implantierten einen DDD-Dchrittmach;
es kam zu keinen weiteren Synkopen mehr.
Der Patient suchte dann in der Literatur nach Ursachen für die AV-Leitungsstörungen und ließ sein Serum auf Antikörper gegen Borrelia burgdorferi testen.
Das IgM war hochpositiv.
Klar, dem AV-Block lag eine Borreliose zugrunde.
Nach der Beahndlung mit Doxycyclin verschwand der AV-Block.
Ich musste als Chef der Kardiologie die Verantwortung für diese Fehleinschätzung übernehmen.
Was mich besonders erschütterte:
Bei der Beschrechung des EKGs hatte keiner von 20 Ärzten die Frage nach einer Borreliose aufgeworfen."
Prof. F.W.A. Verheugt, St. Radboud, Nijmegen, Holland

Wir wünschen uns mehr solche gestandenen Ärzte, die in der Lage sind einen Fehler zu zugeben.

Wir hier in Kassel haben ein gutes Klima,
was die Akzeptanz der Borreliose-Betroffene und ihre Krankheit angeht.
Wir haben Ärzte, die durch Ihre Arbeit Betroffenen eine Chance geben, wieder am Leben teilnehmen zu können,
nur leider sind es zu wenige und die wenigen sind durch den Ansturm von Borreliose-Patinenten teilweise völlig überfordert.
Wartezeiten von 6 Wochen bis zu einem viertel Jahr sind keine Seltenheit.

Durch die Unterstützung von ......
sind wir in der Lage Aufklärung über die Erkrankungen Borreliose, FSME, Ehrlichiose, Babiose, welche durch einen Zeckenstich ausgelöst werden, zu leisten.

Dies geschieht durch Vortragsreisen
durch Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
bei Landfrauen-, Imker-, Sport-, und Jagdvereinen,
sowie bei Forstämtern und Stadt- und Gemeideverwaltungen.
Durch Telefonberatung, allein im Monat Mai 2002 wurden über die Telefone der SHG Kassel ca. 200 Beratungen durchgeführt.

Im Internet ist die Zahl der Ratsuchenden, welche die Seiten der Borreliose SHG Kassel besuchen, auf über 4,5 Millionen in 12 Monaten gestiegen.
Ein rasanter Anstieg der Menschen, die Hilfe suchen und brauchen.

Bei Veranstaltungen, wie dem Selbsthilfetag in Kassel, auf der Kasseler Herbstaustellung, Felsberger Frauenmesse, Zwestener Gesundheitstage
und bei vielen kleineren Veranstaltungen versuchen wir über unsere Präsenz,
viele Menschen über das richtige Verhalten im Umgang mit Zecken und Zeckenerkrankungen,
sowie über mögliche Vorsorgemaßnahmen und den Umgang mit dieser Krankheit zu sensibilisieren.

Bei all diesen Veranstaltungen werden wir mit immer wiederkehrende Aussagen und Sprüche konfrontiert
- Mein Arzt hat mir eine Zeckenimpfung verpaßt, ich bin geschützt gegen Zeckenbisse
- Was solls, es ist ja nur ein kleiner Zeckenbiss
- Früher hatten wir diese Probleme nicht
- Ach ja, ich hatte schon so viele Zecken und bin immer noch gesund
- Ist ja alles nur Panikmache
- sind ja alles nur Spinner und eingebildete Kranke
- die Borreliose ist die neue Modekrankheit

Und diese Aussagen sind leider nicht nur Volkesmund, sondern auch die Meinung nicht weniger Mediziner und Politiker.

Bei all diesen Aussagen, möchte ich bei einer Aussage verweilen und auf die gesundheitsschädlichen Apekte hinweisen.

- Mein Arzt hat mir eine Zeckenimpfung verpaßt, ich bin geschützt gegen Zeckenbisse

Dies spiegelt sich in einem Artikel und auf der Homepage des Gesundheitsministerim Hessen wieder.

Zeitungsartikel Ende März 2003

Gegen Zeckenbisse impfen lassen.
Sozialministerin Silke Lautenschläger hat Hessens Bürger zur Schutzimpfung gegen Zeckenbisse aufgerufen......

Homepage: Wiesbaden, 24.03.2003
Sozialministerium rät jetzt zur Schutzimpfung gegen Zeckenbissen

Eine junge angagierte Jouranlistin schrieb nach meiner Intervention in einem halbseitigen Artikel folgenden Kommentar:

Fahrlässiger Impfappell
.... über falsche Ratschläge
Die Zecke ist ein fieser kleiner Blutsauger, der gefährliche Krankheiten überträgt.
Deshalb müssen Bürger darüber informiert werden, wie sie sich am besten schützen können.
Aber was Sozialministerin Silke Lautenschläger rät ist falsch und fahrlässig.
Denn die Impfung gegen die Hirnhaurentzündung schützt nicht gegen vor
Zeckenbissen.
Und sie ist in Nordhessen obendrein überflüssig.
Anstelle von von hilfreichen Ratschlägen und genauen Informationen

- ein platter Impfappell.

Am schlimmsten ist aber, das das Ministerium zum Impfen aufruft,
ohne über mögliche Gefahren der Impfung zu informieren.
Das ist fahrlässig.
Der Aufruf von Silke Lautenschläger ist nur ein gut gemeinter Ratschlag
- aber kompetent ist er nicht.
Die Überschrift der auf der Homepage wurde bis heute NICHT verändert,
trotz eindeutigen Apells.
Mail an das Ministerium vom 29.05.03

Sehr geehrte Frau Dr.....,
es geht auch nicht um den Inhalt des Artikels, sondern um die Überschrift.
"Sozialministerium rät jetzt zur Schutzimpfung gegen Zeckenbisse"
Dies ist eine eindeutige falsche Aussage, sie ist sogar gesundheitsgefährdend.
Aus meiner Arbeit in der Selbsthilfe weiß ich, daß viele Menschen nur die Überschrift lesen.
Sie gehen dann zum Arzt um sich gegen Zeckenbisse impfen zu lassen und in leider vielen Fällen findet keine Aufklärung statt, weil der Arzt selber nicht darüber Bescheid weiß und die Menschen fühlen sich sicher gegen die Bisse von Zecken.
DIES SIND LEIDER KEINE EINZELFÄLLE
Deshalb nochmals meine Bitte an Sie:
ÄNDERN SIE DIE ÜBERSCHRIFT AUF DER SEITE MIT DEM ARTIKEL
Mit freundlichen Grüßen........

Schlimm finde ich diese Ignoranz von Seiten der Politik, der Medizin und der Gesellschaft.
Dies macht es auch den Mediziner, welche Betroffenen helfen und die Krankheit ernst nehmen schwer, sich bei Krankenkassen,
beim medizinischen Dienst,
in der kassenärztlichen Vereinigung,
in der Ärztekammer durchzusetzen.

Denn es gibt viele verschiedene Ansätze für Therapien, die es einem praktizierenden Arzt nicht immer einfach machen, sich für die "richtige Therapie" zu entscheiden.
Die Meinungen über die Dauer und die Höhe der Therapie liegen weit aus einander.
Sogenannte Studien weisen in vielen Fällen darauf hin,
daß Kurzzeittherapien über 10 - 14 Tage ausreichend sind,
wenn dann noch Symthome vorhanden, ist es keine Borreliose.

In der Praxis sieht häufig ganz anders aus, hier stellen praktizierende Ärzte fest,
daß in vielen Fällen längere Therapien,für die Verbesserung der Symthome und das Allgemeinbefinden der Patienten notwendig waren.

Hier trifft Lehrmeinung auf Praxiserfahrung.

Für viele Ärzte geginnt dann eine Odysee, sie müssen Rechenschaft ablegen vor der Kassenärztlichen Vereinigung oder den Krankenkassen, warum die teueren und langen Therapien,wenn doch die kurzen auch helfen.

Hier wird nur vergessen, daß es in er Kompetenz eines jeden Arztes liegen sollte,
wie er seine Patienten behandelt, denn die Verantwortung trägt alleine der behandelde Arzt.
Notwendig und wichtig ist es ein Vertrauensverhältniss zwischen Arzt und Patient aufzubauen und zu fördern.
Den Patienen als Partner in Sachen seiner Krankheit anzuerkennen und gemeinsam nach Wegen in die Gesundung zu suchen.
Um mehr Rückendeckung für solch angagierte Ärzte, auch von seiten der Kollegen, wäre angebracht, denn auch hier ist vieles im Argen.
Mit Sprüchen:
- der will sich ja nur provilieren u.a.
werden Ärzte, die sich hier hinter ihre Patienten stellen, abgekanzelt.

Um mehr Klarheit über die eigentliche Zahl der Borreliosefälle zubekommen fordern wir für die Zukunft:
- eine Meldepflicht der Borreliose für Hessen und Deutschland
und hier sind unsere Politiker gefordert.
Denn nur so kann man überhaupt ermessen, welche Ausmaße die Krankheit eigentlich hat.
Es zeigt sich in den Bundesländern, welche die Meldepflicht haben, dass die Zahl der Betroffenen steigt.

Nach wie vor werden wir unsere Aktivitäten auf dem Gebiet der Aufklärung
und der Beratung der Betroffenen ausbauen und fortsetzen.

Auch für unsere Mitglieder bieten wir,neben den Gruppenstunden,
eine eigene Bücherei mit mittlerweile 50 Büchern zur kostenlose Ausleihe,
zweimal im Jahr erhalten die Mitglieder das Borreliose-Magazin und aktuelle Informationen unter dem Motto "Neues aus dem Internet".
Im Rahmen der Fortbildung und Geselligkeit bieten wir vierteljährlich eine Veranstaltung an.

In den Jahren, seit der Gründung des Vereines im Januar 1999 hat sich die Zahl der Gruppen auf vier herhöht,
Gruppe Kassel ,
Gruppe Warburg,
Gruppe Alheim/Rotenburg,
Gruppe Westerwald.
Der Mitgliederstand ist auf ca. 200 Personen in den vier Jahren angewachsen.

Jedes neue Mitglied unterstützt durch seine Mitgliedschaft unsere Arbeit
und stärkt die Gemeinschaft,um Forderungen besser durchsetzten zu können.

Um dieses alles Umsetzten zu können brauchen wir aber die Unterstützung von jedem Einzelnen, von Ärzten, Organisationen, Institutionen, welche uns mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Besonders wichtig, die finanzielle Unterstützung, nur dann können wir im Bereich der Prävention und Information weiter arbeiten.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die in der Vergangenheit uns in jeglicher Form geholfen und unterstützt haben und möchte Sie bitten, dies auch weiterhin zutun.
Besonderen Dank gilt allen, die in der SHG ehrenamtliche Arbeit leisten und auch denen die heute tüchtig mithelfen und meiner Familie, ohne deren Unterstützung und Mithilfe ich diese Arbeit nicht leisten könnte.

So nun auf ein Neues.
Wie heißt es so schön:

Es gibt viel zu tun, packen wir es GEMEINSAM an.

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