Interview mit Burrascano auf dem 3. Borreliose Symposion Kassel am 18.6.2003

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Interview mit Burrascano auf dem 3. Borreliose Symposion Kassel am 18.6.2003 (Auszug)

übersetzt von Jutta Zacharias www.borreliose.org [2]

Frage:
Einige deutsche Borreliose-Spezialisten sagen, dass nicht alle Borreliosefälle behandelt werden müssten und eine Borreliose auch ohne antibiotische Behandlung ausheilten würde.

Antwort von Dr. Burrascano:

1. Ich stimme damit nicht überein

2. Es gibt viele Beispiele für Infektionen mit Spirochäten, wie z.B. Syphilis, die bestehen bleiben können und später wieder zurückkehren und (dann) den Patienten krank machen.

3. Die Symptome können eine zeitlang abnehmen, ohne vollständig wegzugehen

4. Viele Studien über die langfristige Entwicklung der Lyme-Borreliose in unbehandelten Patienten haben die späte Erkrankung gezeigt, auch noch nach 14 Jahren .

Frage:
Deutsche Borreliose-Spezialisten empfehlen meist 14 Tage Behandlung mit einem oralen Antibiotika, wie z.B. Doxycyclin. Wenn das nichts hilft, dann behandeln sie oft mit 14 Tage intravenöser Therapie (Claforan, Rocephin). Wenn die Symptome nicht komplett darauf ansprechen, wird oftmals nicht weiter behandelt.

Antwort von Dr. Burrascano:

1. Frühere Borreliose-Studien haben gezeigt, dass die Borrelien im zentralen Nervensystem sein können, bevor sich ein Erythema migrans entwickelt. Deshalb muss man jeden Fall von Borreliose - auch frühe Stadien - aggressiv antibiotisch unter Berücksichtigung entsprechender Dosen und Behandlungszeiträume behandeln.

2. Lyme ist eine Borrelie in einer Familie mit dem Rückfallfieber. Der Zyklus der Borrelien ist vier Wochen. Dies bedeutet, dass in diesem monatlichen (Zyklus) die Borrelien dafür anfällig sind, vernichtet zu werden. Wenn die Behandlung nicht mehr als vier Wochen durchgeführt wird, dann werden einige der Borrelien nicht eliminiert.

3. In meinen Studien über die intravenöse antibiotische Behandlung von Lyme-Patienten, die während einer (antibiotischen) Behandlung mit Blutkulturen untersucht wurden, wird aufgezeigt, dass keiner der Patienten, mit zwei, drei oder vier Wochen Behandlung geheilt waren und einige auch nicht nach sechs Wochen.

4. Die Behandlungsdauer ist eine statistische Angelegenheit - eine kürzere Dauer steigert die Wahrscheinlichkeit der beharrlichen Erkrankung und eine längere Behandlungsdauer steigert die Chance für eine Heilung.

5. Alle Lyme Patienten sind anders, und das Maß an Spirocheten, das sie haben, ist anders. Es ist unpassend und unlogisch, alle Lyme Patienten mit derselben Antibiotika-Länge zu behandeln. Ich empfehle keinen beliebigen Endpunkt der Therapie. Ich empfehle, dass die Behandlung einige Wochen weitergeht, wenn die Symptome aufgehört haben.

Frage:
Wie ist Ihre Meinung zu den möglichen Coinfektionen im Rahmen einer Borreliose?

Antwort Dr. Burrascano:

1. Studien haben gezeigt, dass Zecken Borrelia, Bartonella, Babesia, Rickettsia, Ehrlichia und Viren enthalten können, wie man von einem Insekt erwarten würde, das ca. 2 Jahre im Schmutz lebt und das Blut von vielen wilden Tieren trinkt.

2. Wenn jemand Co-infiziert ist, führt die Immunsuppression zu einem gesteigerten Schweregrad der Krankheit, was schwieriger zu behandeln ist und eine längere Behandlung benötigt.

3. Die Mehrheit meiner chronischen Patienten hat Co-Infektionen

4. Behandlungsresistente Lyme-(Borreliose), d.h. wenn die Patienten nach einer entsprechenden antibiotischen Borrelien-Behandlung immer noch krank sind, weist i.d.R. auf eine Coinfektion hin, da nicht alle Lyme-Borreliose-Behandlungen auch für die Coinfektionen geeignet sind. Ich empfehle bei allen Lyme-Borreliose-Patienten, die kränker zu sein scheinen, dass sie auf die möglichen Coinfektionen getestet werden, um diese dann mit zu behandeln.

5. Die Heilung des Patienten muss klinisch kontrolliert werden, weil es keinen serologischen Test gibt, der die Heilung feststellen kann.

6. Aufgrund einer Immunsuppression können latente Infektionen, wie z.B. Herpes reaktiviert werden. Auch diese Infektionen müssen festgestellt und behandelt werden.
Wegen der Immunsupression kann es eine Reaktivierung von latenten Infektionen wie Herpes geben. Also müssen diese anderen Infektionen identifiziert und behandelt werden, wenn sie vorliegen.
  
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