Seroprävalenz von Babesia Infektionen in Menschen mit Zeckenkontakt im mittleren Westdeutschland.

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Hunfeld, Lambert, Kampen, Albert, Epe, Brade, Tenter

Seroprävalenz von Babesia Infektionen in Menschen mit Zeckenkontakt im mittleren Westdeutschland.

Babesiose wird als eine von Zecken übertragene Krankheit gesehen, die weltweit in Menschen immer mehr festgestellt wird. Aber die meisten Studien bezüglich der Epidemiologie von humaner Babesiosis wurden bisher in Nord-Amerika ausgeführt und es gibt wenig Daten über das Infektionsvorkommen und die Häufigkeit dieser Krankheit in anderen Gebieten.

ZIEL: Das Ziel dieser Studie war die Untersuchung der Prävalenz von Babesia Infektionen in einer humanen Bevölkerungsgruppe in Deutschland.

METHODEN: Dazu wurden zwischen Mai und Oktober 1999 total 467 Blutproben von im Rhein-Main-Gebiet wohnenden Menschen gesammelt und auf das Vorhandensein von Immunglobuline G (IgG) und IgM Antikörper gegen die Antigene von Babesia microti und Babesia divergens mittels indirekter Fluoreszenzantikörpertest (IFT/Immunfluoreszenztest) untersucht.

Diese Seren wurden entnommen von 84 Lyme-Borreliose-Patienten mit einem Erythema migrans, von 60 asymptomatischen Personen mit positiver Borreliose Serologie und von 81 Personen, die von einer Zecke gestochen waren.

„Cutoff" Werte um zwischen seronegativen und seropositiven Resultaten im IFT zu unterscheiden, wurden bestimmt im Vergleich mit Seren von 120 gesunden Blutspendern und von 122 Patienten, mit anderen als von Zecken übertragenen Krankheiten (Malaria, n=40; Toxoplasmose, n=22; Syphilis, n=20; Epst.Barr-Virus, n=20; und positive antinukleare Antikörper, n=20). Die allgemeine Spezifität der IF-Tests für Babesia microti und Babesia divergens wurde geschätzt auf >/=97,5%.

RESULTAT: Positive IgG Reaktivität gegen Bab.microti-Antigene (Titer >/=1:64) oder Bab. divergens-Antigene (Titer >/=1:128) wurde bedeutend öfter (P<0.05) in der Gruppe mit Zeckenkontakt entdeckt (26 von 225 Personen = 11,5%) als in der Gruppe der gesunden Blutspendern (2 von 120 Personen=1,7%).

IgG Antikörpertiter von >/=1:256 gegen wenigstens eine der Babesia Antigene wurde bedeutend öfter gefunden (P<0.05) bei den Patienten mit Zeckenstich (9 von 225) als in den Kontrollgruppen (1 von 242).

In der humanen Bevölkerung, die hier untersucht wurde, betrug die Seroprävalenz für Babesia microti insgesamt 5.4% (25 von 467 Pers.) bzw. für Bab. divergens 3.6% (17 von 467).

FAZIT: Die hier erworbenen Resultate liefern Beweise für gleichzeitige Infektionen mit Borrelia burgdorferi und Babesienspezies bei Menschen mit Zeckenkontakt im mittleren Westen Deutschlands.

Sie lassen ebenso vermuten, dass Infektionen mit Babesienarten in der deutschen humanen Bevölkerung öfter vorkommen als bisher geglaubt und sie sollten bei der Differentialdiagnose von febrilen (fieberhaften) Krankheiten, die nach Zeckenkontakt oder nach Bluttransfusionen auftreten, berücksichtigt werden, insbesondere bei immungeschwächten Patienten.

Seroprevalence of Babesia Infections in Humans Exposed to Ticks in Midwestern Germany
http://jcm.asmorg/cgi/content/full/40/7/2431
Journ. Clin. Microbiol. , 29-06-2002.
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Klinikum der Universität Frankfurt, D-60596 Frankfurt/Main.
Institut für Medizinische Parasitologie, Universität Bonn, D-53105 Bonn.
Abteilung für Parasitologie, Hochschule für Tiermedizin, Hannover, D-30559 Hannover, Deutschland.

caw-Kaarst - ohne Gewähr - 07-2002; (AMQ-Abstracts)
  
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