Das 4. Kasseler Borreliose - Symposion fand am 08. September 2004 statt.

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Das 4. Kasseler Borreliose - Symposion
fand am 08. September 2004 im Bürgerhaus Obervellmar statt

Bürgerhaus Obervellmar, Holländische Str. 129, 34246 Vellmar
das 4. Kasseler Borreliose-Symposion statt.
Die Veranstaltung begann um 16.00 und endete um ca. 20.00 Uhr

Programm:

16.00 Uhr
Begrüßung
Brigitte Ringeler-Leipholz
1. Vorsitzende der Borreliose SHG Kassel Stadt & Land e.V.

16.15 Uhr
Begrüßung
Anne Janz
Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen & Gesundheit

16.30 Uhr
"Aktuelle Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose"
Vortrag von Prof. Dr. med. Heidelore Hofmann
(Dermatologin), Klinik für Dermatologie der TU München

17.30 Uhr
"Anpassen und Verstecken -
Überlebensstrategien von Borrelia Burgdorferi, dem Erreger der Lyme-Borreliose"
Vortag von Prof. Dr. med. Reinhard Wallich
(Immunologe und Molekularbiologe),
Universitätsklinikum Heidelberg, Institut für Immunologie

18.30 Uhr
Pause - Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch

19.00 Uhr
Podiumsdiskussion
mit Prof. Dr. med. Heidelore Hofmann, Prof. Dr. med. Reinhard Wallich,
Dr. med. Dieter Kellermann (Internist) und Dr. med. Wilderich Becker (Facharzt für
Laboratoriumsmedizin)
Moderation: Dr. med. Schimmelpfennig (Gesundheitsamt Kassel)

Schirmherrin der Veranstaltung: Anne Janz
Medizinische Leitung der Veranstaltung: Dr. med. Schimmelpfennig
Organisation der Veranstaltung: SHG Kassel Stadt & Land e.V.

Mail: borreliose-geschaeftstelle@t-online.de

Die Teilnahme wurde als Fortbildungsmaßnahme mit 4 Punkten von der
Landesärztkammer angerkannt


Videofilm vom 4. Kasseler Borreliose-Symposion 08.09.04
Video mit allen Vorträgen
Kosten: 19,00 Euro, zzgl. Versand- und Portokosten 3,00 Euro

Für Mitglieder der SHG Kassel und für Leiter/in von Selbsthilfegruppen
Kosten: 15,00 Euro, zzgl. Versand- und Portokosten 3,00 Euro


Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei

BKK
Wilhelmshöher Allee 101, 34121 Kassel

Gemeinschaftspraxis für Laboratoriumsmedizin
Dr. Hülsmann, Prof. Dr. Baczko, Dr. Becker, Druseltalstr. 61, 34131 Kassel

Genzyme Virotech GmbH
Am Löwenplatz 5, 65428 Rüsselsheim

Milenia biotec GmbH
Hohe Str. 4 - 8, 61213 Bad Nauheim


Artikel aus der "Hessischen Allgemeinen" Zeitung, Kassel vom 10. September 2004 zum 4. Kasseler Borreliose-Symposion

Kampf der Zeckenkrankheit
400 Besucher aus ganz Deutschland zog es zum vierten Borreliose-Symposion
Von Sarah Richter

Vellmar. Der Sommer war warm, der Sommer war feucht. Ideale Bedingungen für Zecken, die sich in diesem Klima am wohlsten fühlen. Langsam verabschiedet sich sehr Sommer - was bleibt, sind die kleinen braunen Krabbeltiere, die in Gräsern, Büschen, im Garten und Park lauern. Und die durch ihren Biss Borreliose übertragen können.
Was ebenfalls bleibt, sind die weit verbreiteten Irrtümer, die mit der heimtückischen Infektionskrankheit verbunden sind.
Folgt man den Worten von Brigitte Ringeler-Leipholz, sind Aussagen wie "Gegen Zecken kann mann sich impfen lassen" oder "Hier bei uns gibt es so etwas nicht, nur im Süden" nicht nur falsch, sondern auch gesundheitsgefährdend.
Denn auch in unseren Breiten übertragen Zecken vornehmlich Borreliose, während die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis eher in Süddeutschland und zum Beispiel auch in Österreich vorkommt.
Gegen FSME gibt es tatsächlich eine Impfung.
Um ihre Erfahrungen mit Borreliose weiterzugeben, aber auch neues Wissen durch Fachvorträge zu erlangen, haben Brigitte Ringeler-Leipholz und ihre 258 Mitstreiter der Selbsthilfegruppe das vierte Borreliose-Symposion organisiert.
Aus ganz Deutschland waren sie am Mittwoch angereist, die 400 Besucher der selbst in Fachkreisen sehr angesehenen Veranstaltung, deren medizinischer Leiter, Dr. Markus Schimmelpfenning, vom Kasseler Gesundheitsamt war. Im Bürgerhaus Obervellmar sollten den Betroffenen, Interessierten und Ärzten - für die die Tagung als anerkannte Fortbildungsveranstaltung galt - die Möglichkeit der Früherkennung und Behandlung von Borreliose aufgezeigt werden.
Viele Ärzte erkennen die Borreliose im fortgeschrittenen Stadium nicht als solche.
Man wird aufgrund der Symptome in die Schublade des Hypochonders, sogar in die Psychiatrie gesteckt", sagte Ringeler-Leipholz.
Auch die Einführung einer Borreliose-Meldepflicht in Hessen wünsche man sich als Zeichen, dass die Betroffenen ernst genommen werden.
Die Ernsthaftigkeit des Themas wurde nicht zuletzt in den Vorträgen von der Dermatologin Prof. Dr. Heidelore Hofmann aus München und dem Immunologen und Molekularbiologen Prof. Dr. Reinhard Wallich aus Heidelberg deutlich.
Über die Diagnostik und Therapie von Borreliose, sowie die Überlebensstrategien des Borreliose-Erregers informierten sie und legten den Grundstein für die anschließende Podiumsdiskussion mit Fachärzten aus der Region.
Kontakt: Borreliose-Selbsthilfegruppe Kassel - Stadt und Land
Tel. 0561 / 78806881
Im Internet: www.borreliose.de


Wir stehen an einem entscheidenden Wendepunkt!

Entweder entwickelt sich die Diskussion der Selbsthilfe mit den Experten
der Borreliose in Richtung mehr Effektivität und Zweckmäßigkeit oder wir
bleiben bei den „kostengünstigen“ Maßnahmen der Unterdosierung und gar
Therapieverweigerungen auf Kosten der Gesundheit der Patienten. Der
Erfolg ist, daß tausende von Patienten ins Abseits geraten ? die
Selbsthilfe „sieht“ dieses täglich. Damit werden die Kosten nur in die
Zukunft verlagert, ganz abgesehen von den weiterhin praktizierten
ethischen Mißständen, die weder mit den Berufsordnungen der Ärzte, der
Charta für Berufsethik der Fachgesellschaften der Inneren Medizin noch
mit dem Sozialgesetzbuch V vereinbar sind.

Wir erleben eine beispiellose Schlacht der Ärztelobby gegen die Politik
auf dem Rücken der Patienten, mit den scheinheiligen Beteuerungen
„ausschließlich“ ? ausschließend ? ? für den Patienten da zu sein, wie
Werbeschreiben der Kassenärztlichen Vereinigungen verdeutlichen sollen:
„Wenn Sie krank sind, kommen Sie in meine Praxis ? jetzt erst recht“.

„Die Ärzte wollen mehr! ... Sie wollen sich nicht ständig von den
Politikern hereinreden lassen, sondern allein zusammen mit den Patienten
entscheiden“ so stand es in der Tagespresse: allein oder zusammen, oder
eher doch allein? Hier liegt der entscheidende Wendepunkt: Nur der
Patient, der sich um seine Belange seiner Erkrankung informiert, ist in
der Lage sich den symptomatischen Behandlungen zu entziehen, die das
Gesundheitssystem finanziell vermeintlich „am Leben “ erhalten. Eine
Verbesserung der medizinischen Qualität ist nur zu haben, wennn auch
Bewegungen in diese Richtung stattfinden. Derzeit werden viele
Informationen verbreitet, die natürlich auch sehr sinnvoll sind.

Das 4.Kasseler Borreliose Symposion hat hier wieder ein gutes Beispiel
gezeigt. Das Interesse der Ärzte ist, trotz 4 Punkten zertifizierter
Fortbildung, sehr verhalten. Eine inhaltlich tiefschürfende Diskussion
kommt immer noch nicht richtig zustande.

Wir Patienten warten nicht darauf, von durch die Lande ziehenden
Experten die Borreliose als leicht behandelbare Krankheit bezeichnen zu
lassen. Bei jedem ausgefuchsten Praktiker hört der Patient genau das
Gegenteil. Die Selbsthilfe erlebt täglich (leider meist zu recht)
abschätzige Bemerkungen von Patienten über Ärzte ? wir können die Wogen
glätten oder auch den Patienten zustimmen. Das Thema droht sich
aufzuheizen. Die Selbsthilfe ist an einer konstruktiven
Auseinandersetzung im Sinne des Hilfe für die Gesundheit der Patienten
interessiert, nicht an einer Eskalation von Standpunkten, die am
Patienten vorbeigehen. Dabei muß es gestattet sein, die Dinge beim Namen
zu nennen. Kommt es zu einer Eskalation, in welcher Form auch immer,
leiden nicht wenige Patienten darunter. Wie bisher zu hoffen, daß die
Patienten ohne die Ärzte nicht auskommen und man so weiterwursteln kann,
wird sich als Milchmädchenrechnung herausstellen. Die Bestrebungen in
die alternativen Therapierichtungen werden immer stärker ? das System
steuert auf eine immer härter werdende Auseinandersetzung zu ? der nicht
nur informelle Schaden wird dadurch immer größer. Können wir uns diese
Art von Qualitätsdenken noch leisten?

Viel zu leichtfertig werden Zusammenhänge von Ärzten dargestellt oder
negiert, auch die mit der wissenschaftlichen Literatur nicht vereinbar
sind. Im Zeitalter der Information wird es gefährlich, so leichtfertig
damit umzugehen. Selbst „einfache Gemüter“, die von manchen Ärzten
abgebürstet werden, sind nicht so einfach „gestrickt“, wie sich manch
einer dieser Ärzte so denkt, außerdem spricht sich so etwas schnell in
der Selbsthilfe herum. Das patriarchale Gehabe wird im Deutschen
Ärztblatt voreilend als Vergangenheit abgetan. Sowie eine Erkrankung
sich für den Arzt als nicht beherrschbar darstellt, kommen leider immer
noch Rückzugsstrategien zum Einsatz, die ins dunkelste Mittelalter
gehören. Erfreuliches nehmen wir aber auch immer wieder wahr, so daß die
Hoffnung noch nicht begraben ist, daß sich doch noch Entscheidendes tut.
Denn eines ist klar: das schwindende Einkommen wird von den Ärzten
selbst produziert, solange die richtige Qualität nicht in den
Vordergrund gerückt wird. Wenn sich die Qualität an der Menge des Geldes
bemißt, die über Beiträge von Versicherten zu erzielen sind, ist das
Gesundheitssystem zum Scheitern verurteilt.

Die Erleichterung der Beweislastumkehr für den Patienten durch die neuen
BGH-Urteile bewirken eine Beweislastumkehr in Richtung des Arztes. Dies
könnte die Problematik in der Auseinandersetzung um die Borreliose
drastisch erhöhen.

Das waren alles keine Themen des 4. Kasseler Borreliose Symposions ?
indem aber eine inhaltliche Annäherung erfolgt, um so mehr kommen in der
Praxis die Gegensätze zutage. Auf diese muß in Zukunft eine konstruktiv
ausgleichende Arbeit geleistet werden. Die Selbsthilfe ist dazu bereit.

Sehr verehrte Patienten, verlaßt Euch nicht allein auf die Selbsthilfe ?
die ja eine Hilfe zur Selbsthilfe darstellt. Wir arbeiten sehr viel auch
im Hintergrund. Diese Arbeiten haben schon einige Erfolge bewirkt. Wenn
diese auch nicht so gewaltig sind, so können Sie doch nicht
nachvollziehen, welche Anstrengungen es erfordert. Jeder Patient hat
nach § 1 Sozialgesetzbuch V das Recht auf Eigenverantwortung. Nehmen Sie
sie bitte wahr. Bestimmen Sie, wie Sie Ihre Eigenverantwortung
definieren. Überlassen Sie es nicht denen, die Ihnen die
Eigenverantwortung streitig machen, über Sie in Gesundheitsfragen zu
bestimmen.

Nichts ist gefährlicher für die eigene Gesundheit, als ein Arzt dessen
Diagnose nicht hinterfragbar ist.

G. Binnewies, Borreliose-SHV Heidenheim/Brenz e.V.
  
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