Lyme-Borreliose - eine tückische Krankheit

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Lyme-Borreliose - eine tückische Krankheit (Peter Rohleder 1998)
Lyme-Borreliose - aus der Sicht von Betroffenen

Einige Bemerkungen in persönlicher Sache:
An Lyme-Borreliose Erkrankte finden auf dieser Seite nützliche Informationen, die ihnen helfen soll, den Kampf gegen diese Krankheit zu meistern.
Der Verfasser des Artikels ist kein Arzt. Es gibt die Ansicht, daß es bei der Beurteilung einer Krankheit zwei Experten gibt, zum einen den Arzt mit seinen erworbenen Kenntnisse, zum anderen den Patienten, der an eigenem Leibe die Symptome einer Krankheit erfährt. In diesem letzteren Sinne betrachtet sich der Verfasser dieser Seite als Experte.
Darüberhinaus glaubt er, genügend Literatur gesichtet zu haben und genügend Quellen recherchiert zu haben, die es ihm erlauben, sich auch zu kontroversen Ansichten eine Meinung zu erlauben.
Diese Seite bietet zusätzliche Informationen zu den anderen bislang schon im WWW aufzufindenden Quellen. Von daher erhebt dieses Dokument auch keinen Anspruch allumfassend über die Lyme-Borreliose zu informieren. Diese Information findet sich anderswo und es werden im folgenden Text diverse Verweise auf andernorts zugänglichen Informationen geliefert.
Viele der Informationen sind in Englisch. Viele an Borreliose Erkrankte im deutschsprachigen Raum können kein Englisch. Deshalb werden, wo irgend möglich, Informationen und Verweise auf deutschsprachige Quellen geliefert werden. Jedoch kann leider nicht gänzlich darauf verzichtet werden, englischsprachige Quellen anzugeben, da insbesondere medizinische Fachliteratur aus Fachzeitschriften ausschließlich in englischsprachiger Form vorliegt.

Ein Arztbesuch
"Guten Tag, Sie waren letzte Woche hier und beklagten sich über permanente Müdigkeit, Schlappheit, Kopf- und Nackenschmerzen, die Kopfschmerzen zögen oft bis ins Auge, auch beklagten Sie sich über Nachtschweiss und glaubten leichtes Fieber zu haben. Wie Sie wissen, haben wir einige Routineuntersuchungen durchgeführt. Der Laborbericht ist gestern zurück gekommen. Es sind keinerlei Auffälligkeiten zu entdecken, nach den Werten zu urteilen, würde ich sagen, daß Sie gesund sind. Haben Sie in der letzten Zeit viel Stress oder sonstige persönliche Probleme gehabt, die Ursache für Ihre diversen Beschwerden sein könnten?"

Eine oftmals schwierige Diagnose:
So oder so ähnlich könnte auch Ihr Arztbesuch aussehen, wenn Sie an Borreliose erkrankt sind.
Dagegen wird es Einwände geben:
Ein an Borreliose-Erkrankter ...
... kommt mit einem Zeckenbiss zum Arzt
... hat die sogenannte Wanderröte(Erythema migrans)
... hat eine Gesichtsnervenlähmung(Fascialparese)
... hat Gelenkschwellungen

Alles das kann richtig sein, muß aber nicht; richtig ist vielmehr, daß der Zeckenbiß oftmals nicht bemerkt wird, daß die Wanderröte in bis zu 50% aller Borrelioseinfektionen nicht auftritt, daß eine Gesichtsnervenlähmung oder Gelenkschwellung nur ein, wenn auch häufiges, Symptom aus einer Vielzahl anderer Symptome dieser Krankheit ist.
Einen eindurcksvollen Bericht über die Probleme bei Diagnose und Behandlung bietet Vartiovaara.
Das führt dazu, daß nicht wenige Patienten mit Beschwerden ähnlich den oben geschilderten erst eine Vielzahl an Ärzten aufsuchen müssen, bis vielleicht ein Arzt auf die Idee kommt, die notwendigen Untersuchungen(in der Regel ELISA und Westernblot) durchzuführen, die dann eventuell einen Borreliose-Verdacht bestätigen.
Zu den Tests siehe: Borreliose-Tests sowie der sehr detaillierte Artikel zur Serologie.
Nicht selten wird beim Vorliegen neurologischer Symptome auch eine Liquoruntersuchung durchgeführt. Es muß allerdings bemerkt werden, daß ein diesbezüglich negativer Test eine Borreliose nicht ausschließt.

Hassler schreibt in Klinik, Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose :
"Während man früher davon ausging, daß bei einer Borrelieninfektion das ZNS immer mit einem entzündlichen Liquorsyndrom beteiligt ist, weiß man heute, daß das klassische Vollbild der Meningopolyneuritis (Bannwarth-Syndrom) eher die Ausnahme darstellt. Die meisten Borreliosemanifestationen sind rein peripherer Natur."

Angemerkt werden sollte auch, daß ELISA und Westernblot beide sowohl fehleranfällig sind, als auch daß die von den Labors durchgeführten Tests an einer fehlenden Standardisierung leiden. Besonders beunruhigend ist, wenn Polly Murray in Ihrem Buch "The Widening Circle" schreibt:
"Ein zweiter Grund, weshalb bei Patienten keine Borreliose diagnostiziert wird, ist die Unzuverlässigkeit von Test für diese Krankheit.
In einer Studie von Dr. Steven Luger wurden Blutproben von neun Patienten mit eindeutigen Borreliose-Symptomen inklusive Fascialparese, geschwollene Kniegelenke, Wanderröte als auch einem positiven Antikörpertest, genommen. Das Serum von jedem Patienten wurde in zwei Hälften geteilt. Die erste Hälfte der Probe jedes Patienten wurde in neun Teile aufgeteilt und jedes Teil wurde zu neun verschiedenen Labors gesandt, die Borreliose-Test durchführen. Zwei Wochen später wurde die identische zweite Hälfte der Patienten-Proben in neun Teile geteilt und zu den neun Labors zum Testen gesandt. In den 18 den Labors zugesandten Proben, variierten die Ergebnisse von Labor zu Labor stark. Einige Labors verfehlten 50 Prozent aller Fällen und beurteilten die Proben negativ. Einige positive Proben, die in einem Labor negativ waren, waren mit der identischen anderen Hälfte der Blutproben 14 Tage später positiv.
Wegen dieser ungenauen und variierenden Ergebnisse fordert der Autor die dringende Standardisierung der Tests." (aus: Polly Murray: The Widening Circle: a Lyme disease pioneer tells her story; New York

1996, hier folgende Quelle zitierend: Steven W. Luger and E. Krauss, "Serologic Test for Lyme Disease: Interlaboratory Variability,"
Archives of Internal Medicine, vol. 150, no. 4 (1990), pp. 761-63 ) (Originaltext hier) Teilweise gelingt bei Patienten mit negativer Serologie eine PCR-Untersuchung(PCR = Polymerase-Kettenreaktion), obwohl inzwischen eingestanden wird, daß auch die PCR hinsichtlich der Sensitivität nicht die Erwartungen erfüllt hat, die man ursprünglich in Sie gesetzt hat. Zur PCR siehe den Artikel "Borrelia burgdorferi DNA in the Urine of Treated Patients with Chronic Lyme Disease Symptoms".

Wenngleich also auch die PCR nicht in allen Fällen zum erwünschten Ergebnis führt, sollte allein schon aufgrund der Tatsache, daß es Ärzte gibt, die sich weigern, seronegative Patienten überhaupt antibiotisch zu behandeln, der Versuch gemacht werden, durch eine PCR-Untersuchung die Existenz von Borrelien nachzuweisen. Neuerdings gibt es Labors, die diese Untersuchung zu einem erträglichen Preis anbieten.

Der direkte Nachweis von Borrelia burgdorferi ist möglich, jedoch im allgemeinen schwierig und nur Speziallabors vorbehalten. In der Regel glückt er bei Hautbiopsien im Stadium des Erythema migrans oder aber im Spätstadium der Acrodermatitis chronicum atrophicans(ACA). Unterm Dunkelfeld-Mikroskop böte sich dann in etwa ein Bild wie folgt: Wie auch immer; auch Patienten mit entsprechender Vorgeschichte (bekannter Zeckenbiss mit entsprechender Symptomatik, Erythema migrans, beginnende Beschwerden nach Campingurlaub vor einigen Wochen etc.) und negativer Serologie sollten nicht von einer Behandlung ausgeschlossen werden.

Unstrittig ist immerhin, daß in der Frühphase der Erkrankung diesbezügliche Titer negativ sind, da der Körper in der Regel einige Woche Zeit braucht, um die Antikörper zu entwickeln.
Strittig ist, wie schon erwähnt, ob es auch in der Spätphase der Erkrankung Patienten gibt, die seronegativ sein können.
In der Fachliteratur gibt es jedoch genügende Artikel(siehe Seronegative chronic relapsing neuroborreliosis als auch PCR detection of Bb... ), die dieses belegen. Vor kurzem wußte selbst die in allen Apotheken ausliegende und damit auch für jeden Laien zugängliche APOTHEKEN-Umschau von einem seronegativen Fall zu berichten.
In manchen Studien wie z.B.(Tetrazyklin-Therapie (Abstract) ) wurden auch seronegative Patienten behandelt, deren Vorgeschichte einen Zeckenbiss umfasste und/oder deren Symptome eindeutig ins Bild der Borreliose passten.
Interessanterweise war bei einer Studie der Prozentsatz derer, dessen Zustand sich unter antibiotischer Therapie besserte in der Gruppe der seronegativen Patienten genauso groß wie in der Gruppe der seropositiven.
Das Spektrum der durch die Borreliose hervorgerufenen Symptome kann recht breit sein. Nicht umsonst wird die Borreliose auch der große Immitator genannt. Natürlich kann bei einer derartigen Symptomvielfalt auch eine ganz andere Krankheit ursächlich für die unten geschilderten Symptome sein. Problematisch wird es jedoch, wenn aus Unkenntnis heraus die Borreliose nicht als Möglichkeit in Betracht gezogen wird.

Symptome, die auf eine Borreliose hindeuten können, finden Sie hier:
Behandlung mit Antibiotika im Spätstadium oft nicht erfolgreich.
Die Borreliose ist eine Infektion, die durch die Bakterie Borrelia burgdorferi aus der Gattung der Borrelien, verursacht wird. Danach könnte man das Problem als eigentlich erledigt betrachten, da es bekanntermassen Antibiotika gibt, die in der Lage sind, Bakterien zu zerstören. Der Ansicht sind auch viele Mediziner und vielleicht ist dieses auch einer der Gründe, weshalb der Borreliose zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im Gegensatz zur früh erkannten Borreliose(in der Regel im Stadium des Erythema migrans) hat man in den letzten Jahren feststellen müssen, daß die zu spät erkannte Borreliose bei zahlreichen Patienten trotz erfolgter Antibiotika-Therapie zu Rückfällen führt. Es gibt die Ansicht, daß bis zu 25% aller Borreliosen ins chronische Stadium treten und sich als therapieresistent erweisen. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Eine ganze Reihe unterschiedlicher Gründe müssen jedoch in Betracht gezogen werden: Die Therapie wurde zu frühzeitig abgebrochen.

Joseph J. Burrascano, ein in Fachkreisen bekannter New Yorker Arzt schreibt in seinem Artikel
"DIAGNOSTIC HINTS AND TREATMENT GUIDELINES FOR LYME BORRELIOSIS"
auf Deutsch "LYME-BORRELIOSE - Diagnostische Hinweise und Richtlinien für die Therapie" folgendes:
"1987 nahm ich an einer Studie teil, bei der 26 Patienten, die an einer aktiven, generalisierten Lyme-Borreliose mit kulturellem Erregernachweis litten, mit Ceftriaxon 2 oder 4 g/Tag i.v. über 14 Tage behandelt wurden. Obwohl die Patienten unmittelbar nach Abschluß der Therapie kulturnegativ waren, wurden alle innerhalb einiger Wochen erneut kulturpositiv und zwar zeitgleich mit dem Wiederauftauchen der Symptome. Daraus schloß ich, daß ein Fortbestehen der Symptome nach dieser Art der Therapie tatsächlich eine anhaltende Infektion darstellt. Das Ergebnis dieser Studie wurde 1989 auf der nationalen Tagung der Lyme-Borreliosis-Foundation vorgestellt."
Man muß dazu sagen, daß die Einsicht in die Notwendigkeit einer Behandlungsdauer von mehr als 2-3 Wochen sicherlich (noch) eine Mindermeinung in der Ärzteschaft darstellt (siehe u.a: auch Behandlungsempfehlung der EUCALB ); die Tatsache aber, daß immer mehr Patienten von Rückfällen nach dieser konventionellen Therapie berichten, die Tatsache, daß sich immer mehr Patienten in Borreliose-Selbsthilfegruppen organisieren,macht die Problematik auf einen Blick sehr deutlich. In den USA hat der Druck von Selbsthilfegruppen dazu geführt, daß das Nationale Gesundheitsinstiut(NIH) eine groß angelegt Studie aufgelegt hat, um die Ursachen für das Fortbestehen von Symptomen nach einer erfolgten kurzzeitigen Antibiotikatherapie einer näheren Betrachtung zu unterziehen(siehe: Studie des NIH und diesbzgl. Pressemitteilung). Auch die Erkenntnis, daß es gelungen ist, nach erfolgter antibiotischer Therapie erfolgreich Erreger anzuzüchten, sollte zu denken geben( Artikel aus Infection von 1989 ). Ein jüngerer Artikel aus der Zeitschrift Infection von 1998 bestätigt dieses erneut.
Natürlich wird es genügend vorzuweisende Fälle geben, in denen eine Borreliose auch durch eine kurze Behandlungsdauer geheilt wurde, dieses jedoch pauschal, ohne Hinweis auf mögliche Komplikationen, zu verbreiten, ist sicherlich unangemessen. Immerhin scheinen in den USA zumindest Praktiker inzwischen dazu über zu gehen, die Borreliose länger zu behandeln(siehe: Behandlungsdauer von Praktikern ).

Das Antibiotikum wurde zu niedrig dosiert

Hassler, ein in Deutschland bekannter Borreliose-Experte, schreibt in seinem Artikel Klinik, Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose:
"Die verwendeten Antibiotika dürfen nicht unterdosiert werden. Es ist mit Sicherheit sinnlos, eine Lyme-Arthritis mit 100 mg Doxicyclin oral täglich therapieren zu wollen. Bei 200 mg Doxicyclin oral als Einzeldosis erreicht man Serumspiegel von etwa 3 - 4 mg/l. Dies reicht nicht aus, um auch Keime in schlecht zugänglichen Geweben zu erreichen."

Diese Unterdosierung ist allerdings nicht selten, immer wieder hört man Berichte von Borreliose-Patienten, bei denen der Versuch unternommen wurde, die Borreliose mit derartigen Unterdosierungen in den Griff zu bekommen.
Erschwerend kommt noch eine mögliche Resistenzbildung beim Einsatz von Beta-Lactam-Antibiotika hinzu.
Burrascano schreibt in "LYME-BORRELIOSE - Diagnostische Hinweise und Richtlinien für die Therapie" : Borrelia burgdorferi (Bb) enthält Betalactamasen, die einigen Stämmen möglicherweise eine Resistenz gegenüber Cephalosporin und Penicillin verleihen. Es handelt sich hierbei offensichtlich um ein langsam arbeitendes Enzymsystem, das mittels höherer oder längerdauernder Antibiotikaspiegel überwunden werden kann, insbesondere mittels Dauerinfusionen (Cefotaxim) oder durch Depotpräparate (Benzathin-Penicillin). Dennoch kommt es vereinzelt zu Behandlungsversagen unter Penicillin und Cephalosporin; in solchen Fällen können Sulbactam und Vancomycin wirksam sein, da Sie an anderen Zellwandbausteinen ansetzen als Penicillin.
Bei einem uns aus der Borreliose-Beratung bekannten Fall, bei dem eine initiale Behandlung mit 1 g Rocephin i.M. zuerst erfolgreich war, einige Wochen nach Beendigung der Behandlung jedoch ein Rückfall zu verzeichnen war, blieb eine nachfolgende Behandlung mit 2g Rocephin i.V. ohne spürbaren Effekt. Erst eine Behandlung mit 4g Rocephin iV zeigte wieder eine Wirkung. Dieses könnte die Beobachtung von Burrascano bestätigen. Leider muß man jedoch eingestehen, daß es Fälle der Borreliose gibt, die selbst auf eine hoch dosierte Therapie nicht mehr ansprechen. Man sollte sich jedoch nicht zu voreilig in diese Kategorie der an Borreliose Erkrankten einordnen lassen. In jedem Stadium der Erkrankung kann es bei konsequenter Therapie Erfolge geben.
Der Schweregrad der Erkrankung kann recht unterschiedlich sein; es gibt Betroffene, die mit Gelenkbeschwerden im Rollstuhl sitzen, arbeitsunfähig sind, und es gibt Betroffene, deren Lebensqualität durch permanente Müdigkeit, Muskelbeschwerden lediglich eingeschränkt ist. Das mag in den leichteren Fällen manchen Arzt davon abhalten, eine oftmals sehr teuere und aufwendige intravenöse Therapie, die zudem mit Nebenwirkungen verbunden sein kann, zu verschreiben. Aktzeptabel ist das für den Borreliose-Patienten allerdings nicht.

Die Ursachen
Die Ursachen, die eine erfolgreiche Behandlung der spät erkannten Borreliose so schwierig machen sind noch nicht vollständig geklärt, man geht jedoch davon aus, daß folgende Faktoren eine Rolle spielen:
Intrazelluläre Nischen
Im Mäusemodell ist inzwischen nachgewiesen worden, daß sich Borrelien in intrazellulären Nischen verbergen können. In einem Artikel im Spektrum der Wissenschaft, Dezember 1994(bei Bedarf hier zu bestellen) wird eine Elektronenmikroskopaufnahme gezeigt, die eine Spirochäte innerhalb einer Makrophage zeigt. Antibiotika können oftmals nicht in Zellen eindringen oder erreichen dort nicht die Konzentrationen, die das Abtöten aller Borrelien sicherstellt.

Lange Regenerationszeit
Im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien zeichnen sich Borrelien dadurch aus, daß Sie sich relativ langsam vermehren. Manche Antibiotika wirken derart, daß Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt der Vermehrung in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen. Wenn sich Borrelien zum Zeitpunkt der Therapie allerdings nicht in diesem angreifbaren Stadium befinden, können Sie überleben. Beispielsweise vermehren sich Streptokokken(u.a. verantwortlich für Halsentzündungen) alle 20 - 30 Minuten. Bei der üblichen antibiotischen Behandlungsdauer von Streptokokkeninfektionen werden ca. 480 Reproduktionszyklen abgedeckt. Borrelien vermehren sich in vitro(d.h. ausserhalb des Körpers in einem bestimmten Anzuchtmedium) alle 7 Stunden; möglicherweise ist der Prozeß in vivo(d.h. im Körper) noch länger. Wollte man genauso viele Reproduktionszyklen wie bei den Streptokokken abdecken, bräuchte man eine Behandlungsdauer von 1 - 2 Jahren.

Schutz durch Umhüllung
Borrelien scheiden ein Glykoprotein ab, von dem Sie umhüllt und eingekapselt werden. Die Antibiotika können dann nicht zu den Borrelien vordringen. Sie werden auch nicht vom Immunsystem erkannt. Weil diese Glykoproteine IgM-Antikörper des Wirts einbinden, können Borrelienantigene von den Wirtsproteinen verdeckt werden. Dadurch wird das Erkennen durch das Immunsystem beeinträchtigt.
Diese kann u.a. auch eine Erklärung für eine Seronegativität sein.
Tiefes Eindringen in Gewebeschichten
Borrelien dringen tief in Gewebeschichten ein; auch hier vermögen nicht hoch genug und nicht lange genug verabreichte Antibiotika oft nicht vorzudringen.

Bakterien ohne Zellwand
Eine international bekannte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Borrelienforschung ist Frau Dr. Preac-Mursic. Frau Dr. Preac-Mursic hat in einem 1996 in einem Artikel in der Zeitschrift Journal of Infectiouse Diseases festgestellt, daß neben anderen Bakterien auch Borrelien die Fähigkeit besitzen, eine Zeitlang ohne Zellwand zu überleben. Unter bestimmten Stressbedingungen (z.B. Antibiotika) wird die Zellwand sogar abgelegt, mit der Konsequenz, daß nun manche Antibiotika, die den Prozeß der Zellwandbildung behindern, zumindest zeitweise wirkungslos sind.
Siehe dazu den ins Deutsche übersetzten Artikel:
Absterbekinetik von Bb , aber auch Spheroplast-L-Form Variants (englische Version auch hier und hier zu finden). Das wurde auch noch einmal durch folgende jüngere Untersuchung bestätigt(eine Übersetzung dieses Abstracts findet sich hier).

Unterschiedliche Bakterienstränge
Ursprünglich glaubte man, daß man es nur mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi zu tun hätte. Inzwischen weiss man, daß man etwas differenzieren muß, genau genommen hat man inzwischen mehrere Abarten von Borrelia burgdorferi identifizieren können(siehe: Abarten von Borrelia burgdorferi ). Diesen unterschiedlichen Abarten glaubt man inzwischen auch unterschiedlichen Krankheitsymptome zuordnen zu können; u.U. reagieren diese Abarten auch unterschiedlich auf die diversen Arten von Antibiotika die gemeinhin verabreicht werden.

Das richtige Antibiotikum zum richtigen Zeitpunkt lang genug
Viele der oben genannten Links bieten Hinweise auf die gemeinhin als wirkungsvoll geltenden Antibiotika. In der frühen Phase der Erkrankung(Erythema migrans) ist es Konsens, daß eine relativ kurze Behandlung mit einem oralen Antibiotikum wie Doxycyclin angemessen ist. Dagegen besteht kein Konsens bzgl. der Dosis und der Länge der Behandlung der spät erkannten Borreliose im Stadium der Lyme-Arhtritis, Neuroborreliose oder ACA.
Was die Wahl des Antibiotikums angeht, scheint sich aber durchzusetzen, daß in dieser Phase ein Cephalosporin(Ceftriaxon [Markennahme Rocephin] oder Cefotaxim [Markenname Claforan]) der dritten Generation parenteral verabreicht das Mittel der Wahl ist. Vorsicht ist geboten bei hohen und langzeitigen Verabreichungen von Ceftriaxon. Dieses kann zur Bildung von Gallensteinen führen. Deshalb wird beim Vorliegen der Notwendigkeit von höheren Dosierungen über einen längeren Zeitraum von manchen Ärzten eher auf Cefotaxim zurückgegriffen.(siehe dazu: Impulstherapie(Link) bzw. Impuls-Therapie ).
Unter Umständen sollte nach Beendigung der Cephalosporin-Therapie noch über einige Monate mit einem anderen Antibiotikum (z.B. Makrolid, Tetrazyklin), welches auf eine andere Art und Weise in den Prozess der Bakteriensynthese eingreift, weiterbehandelt werden.
Nur bei wenigen Betroffenen, die sich an die Borreliose-Selbsthilfegruppen wenden, sind alle in Betracht kommenden Therapie-Möglichkeiten ausgeschöpft worden. Oftmals sind die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten, die durchaus nicht selten zu einer erfolgreichen Behandlung führen, in der Ärzteschaft gänzlich unbekannt.
Dazu gehören:
Kombinationstherapien: Orale Behandlung der späten Lyme-Borreliose mit Roxithromycin und Co-trimoxazol , ein älterer Artikel aus dem Lancet Orale Kombinationstherapie später Lyme-Borreliose mit Roxithromycin und Co-Trimoxazol
Eine Pilotuntersuchung (Abstract) oder zum Runterladen für unterschiedliche Systeme (ein Artikel aus der Acta Med Austriaca)
Wichtige Anmerkung zur Roxithromycin und Co-Trimoxazol-Therapie
Kombinationstherapie eines Macrolids mit Hydroxychloroquine

Langzeit-Therapien:
Tetrazyklin-Therapie (Abstract) oder zum Runterladen für unterschiedliche Systeme
Finnische Studie bzgl. der Behandlung der späten Lyme-Borreliose

Hochdosierte Therapien:
Impuls-Therapie
Bei manchen Patienten hat es sich bewährt, während der antibiotischen Therapie und möglicherweise noch danach auf eine gesunde Lebensweise und ergänzende Ernährung mit Vitaminen, Mineralstoffen etc. zu achten. Siehe dazu den entsprechenden Abschnitt im Artikel von Burrascano. Ein Patient hat zusammen mit seinem Arzt und Apotheker ein Merkblatt mit den entsprechenden auf dem deutschen Markt erhältlichen Präparaten verfasst.
Wie schon oben erwähnt, gibt es Fälle, in denen alle oben vorgeschlagenen Therapien nicht greifen. Unter Umständen könnten die Ergebnisse der Forschungsarbeiten von Wallich und Krammer zukünftig Abhilfe schaffen. Siehe dazu einen dpa-Bericht vom 26. Juli 98.

Alternative Therapien:

Der richtige Umgang mit dem behandelnden Arzt/Ärztin
Leider kennen nur wenige Ärzte die oben zur Verfügung gestellten Informationen. Dabei muß betont werden, daß es sich bei obigen Informationen fast ausnahmslos um frei verfügbare oder mit wenig Aufwand heranzuziehende Informationen aus medizinischen Fachzeitschriften handelt. Einige beruhen auf den Erfahrungen von in der Behandlung der Borreliose erfahrenen Ärzten.
Leider passiert es nicht selten, daß Ärzte nicht unbedingt erfreut reagieren, wenn man Sie als vermeintlich an Borreliose Erkrankter mit diesen Informationen konfrontiert. Bei dem Umfang der in der esoterischen Regenbogenpresse kursierenden vermeintlich erfolgreichen Therapieempfehlungen gegen Aids, Krebs und ähnliche Krankheiten ist eine gewisse Reserviertheit der Ärzteschaft gegen Therapievorschläge der Patienten sicherlich angemessen. Oftmals ist es als Arzt auch schwer, sich auf die Schnelle ein Bild von der Qualität der überreichten Information zu machen.
Insofern sollte man zuerst einmal davon ausgehen, daß der Arzt oder die Ärztin gutwillig ist und Ihnen helfen will.
Scheuen Sie jedoch nicht, dem Arzt oder der Ärztin das u.a. hier vorliegende Material zu zeigen, wenn Sie aufgrund Ihrer Krankengeschichte(z.B. Zeckenbiss) und entsprechender Krankheitssymptome der Ansicht sind, eine Borreliose haben zu können. Wenn der Arzt oder die Ärztin sich weigert entsprechendes Material zur Kenntnis zu nehmen und Ihre Beschwerden ohne eingehendere Untersuchung als Stressymptome oder Symptome psychosomatischen Charakters abtut, sollten Sie den(die) Arzt/Ärztin wechseln.

Selbsthilfegruppen werden aktiv Lesen Sie: dpa-Nachricht bezüglich der Gründung des Bundesverbandes der deutschen Borreliose-Selbsthilfegruppen Adressen von Selbsthilfegruppen im deutschsprachigen Raum Artikel aus der Rheinischen Post, geschrieben von einer Betroffenen Artikel in der TAZ vom 19. 9. 98 (Suchen Sie nach Borreliose!) Wie andere Borreliose-Selbsthilfegruppen informieren Links Weiterhin verweise ich auf folgende WWW-Seiten, wenngleich die unter manchen Adressen gemachten Therapieempfehlungen aufgrund eigener Erfahrung als auch durch den Kontakt anderer an Lyme-Borreliose Erkrankter nicht immer geteilt werden: Deutschsprachig Ein deutscher Server mit den wichtigsten Dokumenten Übersichtsseite an der Universität Heidelberg Diagnostische Hinweise des Experten Burrascano in deutscher Übersetzung(11. Auflage) Diagnostische Hinweise des Experten Burrascano in deutscher Übersetzung(12. Auflage) Hassler, ein deutscher Experte zum Thema Borreliose Informationsseite der Charite in Berlin Informationsseite eines Schweizer Arztes Zur Borreliose-Serologie
  
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